Die multiplen planetaren Krisen, einschließlich Klimakrise, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung, sind die globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Die Folgen zeigen sich bereits jetzt in erhöhter Krankheitslast in praktisch allen Fachgebieten der Medizin (Traidl-Hoffmann et al. 2021). Dadurch vermindern sich die Public Health Erfolge der letzten 50 Jahre in Deutschland sowie weltweit (Traidl-Hoffmann et al. 2021). Bis 2050 werden Gesundheitskosten von etwa 60 Milliarden Euro erwartet (Kempfert et al. 2007). Hierbei machen Produktivitätseinbußen einen wesentlichen Anteil aus.
Obwohl es Nachholbedarf in der Forschung zu Abmilderungs- und Anpassungsmaßnahmen sowie deren Co-Benefits und Risiken gibt (Projekt Health Environment Research Agenda (HERA)), besteht die größte Herausforderung nicht mehr darin, Wissenslücken zu schließen (Knowledge Challenge), sondern darin, dieses Wissen in konkrete Transformation zur Nachhaltigkeit in der Patientenversorgung umzusetzen (Implementation Challenge; vgl. Whitmee et al. 2015). Für den Transfer des bestehenden Wissens in die Praxis ist es notwendig, aus den vorhandenen Forschungsergebnissen Behandlungskonzepte umfassend weiterzuentwickeln. Die Rehabilitation als einzige Säule des deutschen Gesundheitssystems, die konsequent nach dem ganzheitlichen bio-psycho-sozialen Gesundheitsmodell arbeitet, bietet hierfür ideale Voraussetzungen. Deshalb wurde ein Projekt der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit e.V (KLUG) mit Mitteln der Stiftung gefördert.
Für die Entwicklung und Umsetzung von umweltsensiblen, transformativen Behandlungskonzepten nach dem bio-psycho-sozialen Modell auf Grundlage des Planetary Health Ansatzes gibt es zwei Hauptzugänge mit jeweils unterschiedlichen (Schlüssel-)Akteuren der Umsetzung klimasensibler Behandlungskonzepte in einer Rehabilitationseinrichtung im Sinne eines Reallabors der begleitenden konzeptionellen Entwicklung / Vertiefung mit anerkannten Expert:innen der beteiligten Berufsgruppen und Aufbereitung zur Dissemination der Erkenntnisse
Aus einer Planetary Health Perspektive ergeben sich kleinere und größere Anstöße für transformative Veränderungen von Behandlungskonzepten im Sinne einer klimasensiblen Gesundheitsschulung und -beratung und Interventionen zu Lebensstiländerungen. Eine veränderte Lebenshaltung der Patient:innen kann nicht nur zur langfristigen Verbesserung der eigenen Gesundheit führen, sondern gleichzeitig ein wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Zudem können Patient:innen und Gesundheitsberufe als Change Agents im eigenen sozialen Umfeld wirken. Folgende Methoden kommen bei der handlungsorientierten Implementierung zum Einsatz:
- Identifikation von Themen, Wechselwirkungen und Zusammenhängen zwischen planetarer Gesundheit, klimasensibler Therapie und Klimaschutzmaßnahmen
- Identifikation von vorhandenen Behandlungsbausteinen mit transformativem Potential
- Innovation-Labs zur Entwicklung neuer Behandlungsbausteinen (auch durch Synthese und Remix bestehender Methoden)
- partizipative Großgruppenveranstaltungen
Parallel zu den Arbeiten im Reallabor wurden in Workshops mit deutschen und internationalen Expert:innen aus dem KLUG-Netzwerk für die relevanten Arbeitsfelder transformative Behandlungskonzepte aus Perspektive von Planetary Health entwickelt. Dafür wird die Literatur gesichtet, Expert:innen interviewt, Expert:innen-Workshops in unterschiedlichen Konstellationen durchgeführt und die Ergebnisse publiziert und damit dem Berufsfeld zugänglich gemacht.
Im Verlauf des Projektes wurden so ein Hitzeschutzkonzept für die gesamte Klinik entwickelt, eine Resilienzgruppe zur Ergänzung des psychosomatischen Behandlungskonzeptes entwickelt und Kommunikationsansätze für Patientenschulungen und Therapieeinheiten formuliert. Ergänzend wurde das Verpflegungs- und Ernährungsberatungskonzept enlang der Planetary Health Diet optimiert. Das Projekt wurde im Juli 2022 gestartet und hat eine Laufzeit von einem Jahr und wurde im Jahr 2023 abgeschlossen. Ein entsprechender Bericht wurde erstellt.Im Jahr 2024 wurde erstmalig der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP) Gesundheit ausgeschrieben, für den das Projekt in der Rubrik Versorgung angemeldet wurde und das Finale erreicht hat.
